Nina – Querschnitt-
lähmung

Patientengeschichte: Gehen lernen bei Querschnittlähmung
Nina kommt aus Rosenheim in Oberbayern (Deutschland) und ist 37 Jahre alt. Im Jahr 2019 wachte sie nach einer Notoperation an der Wirbelsäule mit der Diagnose einer inkompletten Paraplegie auf. Vor diesem Ereignis arbeitete sie 16 Jahre lang als Krankenschwester. Anders als viele Menschen mit Paraplegie wurde ihre Einschränkung nicht durch einen Unfall verursacht. Ein Bandscheibenvorfall im Brustwirbelbereich (Th9–Th10) verknöcherte und verlagerte sich in den Spinalkanal. Da dieser Prozess lange unbemerkt blieb, war eine vollständige Heilung nicht mehr möglich; Nina musste lernen, mit diesen Einschränkungen zu leben.
„Plötzlich war ich selbst Patientin“, sagt Nina über den Bandscheibenvorfall, der zur inkompletten Paraplegie führte.
Zu Beginn konnte niemand sagen, wie stark ihre Einschränkungen tatsächlich sein würden. Etwa zehn Tage nach der Operation zeigten sich die Ärzte optimistisch. Erste Bewegungen in Ninas Zehen deuteten auf eine inkomplette Paraplegie hin, bei der motorische und sensorische Funktionen nur teilweise betroffen sind. Mit zunehmender Beweglichkeit der Beine bestand für Nina die Chance, wieder gehen zu lernen.
„50 % der Rehabilitation werden von Ärzt:innen, Therapeut:innen und den eingesetzten Hilfsmitteln bestimmt. Die anderen 50 % sind mein eigener Anteil am Heilungsprozess“, sagt Nina überzeugt.
Rehabilitation in der GLG Fachklinik Wolletzsee
Nach der Akutrehabilitation begann Nina im Januar 2021 die Phase-D-Rehabilitation in der GLG Fachklinik Wolletzsee im Norden Berlins.
Seit 2016 setzt die Klinik technologische Systeme ergänzend zu klassischen Rehabilitationsmaßnahmen ein. Neben dem bereits bestehenden Oberkörper-Labor wurde im August 2020 auch das Gangstudio mit zwei Omego Plus-Systemen sowie dem Gangtrainer LEXO eröffnet.
„Früher war Gangtraining hauptsächlich darauf beschränkt, dass Patient:innen mit Unterstützung von Therapeut:innen durch die Flure gingen“, erklärt die leitende Ergotherapeutin Katja Siebold bei der Eröffnung. Dafür waren zwei bis drei Therapeut:innen pro Patient:in notwendig. Heute unterstützt der Lexo diesen Prozess und ermöglicht die hohe Anzahl an Wiederholungen, die für messbare Fortschritte entscheidend ist. Im Klinikalltag entlasten solche Technologien das therapeutische Team und schaffen zusätzliche wertvolle Behandlungszeit.

Zunächst konnte Nina mit Hilfe eines Gehwagens kurze Strecken (ca. 40 Meter) zurücklegen, mit regelmäßigen Pausen.
Im Gangstudio der Klinik hatte sie die Möglichkeit, intensiv mit modernster Technologie zu trainieren. Ihre ersten Erfahrungen im Lexo-Gangtrainer waren von gemischten Gefühlen geprägt:
„Am Anfang habe ich mich total verkrampft, weil ich Angst hatte umzufallen. Das war wirklich ein Erlebnis. Mein Kopf hat sich aber relativ schnell umgestellt, und ich habe verstanden, dass ich im Lexo einfach gehen kann. Ich musste nicht gegensteuern.“
Zu Beginn konnte Nina nur sehr kurze Strecken gehen und benötigte häufige Pausen. Sie nahm zweimal pro Woche an Therapieeinheiten teil.
„Während der Therapie habe ich oft das Gefühl, keine Fortschritte zu machen. Es hilft mir sehr, die Protokolle von Lexo und Omego Plus zu sehen. Die Geräte beschönigen nichts, sondern zeigen klar und neutral, wie sich Kraft, Ausdauer und Koordination entwickeln. Selbst kleine Fortschritte werden sichtbar und steigern meine Motivation.“
Nina K.
Am Ende ihrer stationären Rehabilitation konnte Nina im Lexo bereits 25 Minuten pro Therapieeinheit gehen.
Heute kann sie in den Therapiesitzungen deutlich längere Strecken mit weniger Pausen zurücklegen. Dank der optionalen Sitzfunktion des Lexo kann sie ihre Beine während der Pause vollständig entlasten. Eine Gewichtsentlastung über Gurtsysteme ist nicht mehr notwendig. Beim Verlassen der Rehabilitationsklinik kann Nina etwa 100 Meter mit dem Gehwagen zurücklegen. Auch kurze Strecken ohne Gehhilfe sind bereits möglich. Zu Hause gelingt ihr das Gehen ohne Hilfsmittel zunehmend gut.
Wir wünschen dir weiterhin alles Gute, liebe Nina! Bleib stark!
Autorin: Michaela Partel