Autor: julia.perus
Ein Schlaganfall kann neurologische Schäden verursachen und dazu führen, dass alltägliche Aktivitäten nicht mehr allein bewältigen werden können. Betroffene sind auf die Pflege und Betreuung durch Angehörige oder externes Fachpersonal angewiesen.

Einschränkungen für pflegebedürftige Patienten nach Schlaganfall
Pflegebedürftigkeit äußert sich bei jedem Patienten anders. Einschränkungen können beim Essen und Trinken, Toilettengang, Bewegen, Gehen sowie bei der Körperpflege auftreten.
Der Verlust der Selbstständigkeit kann zu einem Gefühl von Hilflosigkeit führen. Traurigkeit, Ängste und mangelndes Selbstvertrauen können die Wiedereingliederung in das gesellschaftliche Leben erschweren.
Pflege nach Schlaganfall: Belastungen für pflegende Angehörige
Ein Großteil der häuslichen Pflege wird im Familienkreis übernommen. Partner, Eltern oder Kinder sind oft die ersten, die sich um Familienangehörige nach einem Schlaganfall kümmern.
In manchen Kreisen wird die Pflege als selbstverständlich angesehen. Leider wird den besonderen Herausforderungen für pflegende Angehörige nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt. Die Pflege eines Angehörigen ist körperlich, emotional und psychisch belastend.
Die Pflege verlangt große zeitliche Ressourcen von den Angehörigen ab. Es kann schwierig bis unmöglich sein, die Betreuung mit einer beruflichen Tätigkeit in Einklang zu bringen. Pflegende Angehörige stehen einer Doppelbelastung gegenüber oder stellen die eigenen Karrierepläne hinten an.
Auch wenn es positive Aspekte, wie das Gefühl, gebraucht zu werden, etwas zurückgeben zu können oder etwas Gutes zu tun, gibt, fühlen sich pflegende Angehörige oftmals überfordert.
Die Pflege eines Angehörigen kann zu Erschöpfungszuständen, Hoffnungslosigkeit, Müdigkeit, verminderter körperlicher Gesundheit, Depressionen, Angstzuständen, sozialer Isolation und wirtschaftlichen Problemen führen.
Unterstützung für pflegende Angehörige eines Schlaganfallpatienten
Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Entlastung von pflegenden Angehörigen. Abhängig vom Pflegegrad, den regionalen Gegebenheiten und den versicherungsrechtlichen Voraussetzungen gibt es u.a. folgende Angebote:
- Entlastung pflegender Angehöriger durch Freistellung oder Arbeitszeitreduktion
- Alltagsassistenten für stundenweise Entlastung im Haushalt
- Ambulante Pflege- und/oder Betreuungsdienste
- Tageszentren für Seniorinnen und Senioren
- Stundenweise Betreuung in Tages- und/oder Nachtpflege-Einrichtungen
- Pflegekräfte oder Haushaltshilfen, die im eigenem Haushalt wohnen
- Stationäre Kurzzeitpflege in spezialisierten Einrichtungen
Soziale Einrichtungen oder Selbsthilfegruppen bieten Kurse für pflegende Angehörige an. Diese vermitteln Wissen rund um Themen wie Erste Hilfe, Ergonomie, Hygiene, Medikation, Psychohygiene oder auch zu finanziellen Förderungen.
Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige bieten Austausch und Vernetzung. Oftmals hilft es alleine schon mit Menschen zu sprechen, die sich in ähnlichen Situationen befinden.
Für pflegende Angehörige ist es wichtig, selbst gut auf sich acht zu geben. Holen Sie sich bei Bedarf Unterstützung!
Entlastung durch Pflegekräfte bei Angehörigen von Schlaganfallpatienten
Pflegepersonal kann maßgeblich zur Entlastung von Patient und Angehörigen beitragen und die Lebensqualität steigern. Externe Fachkräfte helfen bei der täglichen Körperpflege (Waschen, An- und Ausziehen), richten Mahlzeiten an und unterstützen gegebenenfalls beim Essen. Sie mobilisieren Patienten, helfen ihnen beim Aufstehen, setzen sie auf oder betten sie um.
Pflegekräfte können aufklärend und beratend zur Seite stehen, in Bezug auf finanzielle, psychologische und rechtliche Unterstützung. Eine professionelle Hilfskraft kann zu einer wichtigen Bezugsperson für den Patienten und die Familie werden. Externe Personen verfügen über den nötigen Abstand, um alltägliche Herausforderungen nicht zu sehr an sich heranzulassen. Im Familienkreis kommen häufig Emotionen hinzu, die die Pflege erschweren.
Arbeiten im Haushalt oder medizinische Tätigkeiten zählen nicht zu den Aufgaben von Pflegekräften.
Quellen:
Perception of post-stroke patients on case management conducted by nurses, 2021
Occupational therapy for adults with problems in activities of daily living after stroke, 2017

Studien zeigen, dass der Schlaf nach einem Schlaganfall oder einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) eine wichtige Rolle in der Neurorehabilitation spielt. Ein gesunder Schlaf fördert die Neuroplastizität, kann zu einem besseren Lernen und Gedächtnis beitragen und die Leistung bei motorischen Aufgaben fördern.
Schlaganfall und Schädel-Hirn-Trauma: Welche Rolle spielt der Schlaf?
Nach einem Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma entwickeln sich häufig Schlafstörungen wie Schlaflosigkeit, schlafbezogene Atmungsstörungen oder das Restless-legs-Syndrom. Schlafstörungen können die Rehabilitation und funktionelle Erholung negativ beeinflussen.
Ausreichend langer und erholsamer Schlaf ist in der akuten und subakuten Phase nach einem Schlaganfall wichtig für die kurz- und langfristige Erholung. Eine Studie konnte nachweisen, dass sich ein ausgewogenes Schlafverhalten positiv auf die kognitiven Fähigkeiten von Patienten auswirkt.
Die Förderung des Schlafes sollte Teil der Rehabilitation nach einem Schlaganfall oder einem Schädel-Hirn-Trauma sein. Kognitive Verhaltenstherapie kann Patienten helfen, mit der neuen Situation umzugehen und Strategien für einen gesunden Schlaf-Wach-Rhythmus zu finden.
Zusätzlich können einfache Tricks aus der Schlafhygiene genutzt werden, um den Schlaf-Wach-Rhythmus zu fördern und damit die Lebensqualität zu steigern.
9 Tipps für einen erholsamen Schlaf nach einem Schlaganfall
- Schalten Sie mögliche Lärmquellen aus. Smartphone, Tablet und Co. sollten aus dem Schlafzimmer verbannt werden. Im Krankenhaus oder der Reha-Einrichtung kann das Smartphone in einem Kasten verstaut werden.
- Schließen Sie Vorhänge, Jalousien oder Rollos und entfernen Sie künstliche Lichtquellen wie blinkende Uhren aus dem Blickfeld.
- Sorgen Sie für eine angenehme Atmosphäre im Schlafbereich. Zu Hause können Vorhänge oder Naturtextilien genutzt werden, um eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. Im Krankenhaus spenden gewohnte Gegenstände oder Bilder aus den eigenen vier Wänden Geborgenheit.
- Prüfen Sie die Nebenwirkungen von Medikamenten. Manche Medikamente können den Schlaf beeinflussen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Möglichkeiten den Schlaf zu verbessern.
- Verzichten Sie abends auf Koffein, Alkohol und schweres Essen.
- Reduzieren Sie Zeit vor Bildschirmen. Vor allem in der Stunde vor dem Schlafengehen sollten Sie Aktivitäten abseits von technischen Geräten wie Lesen bevorzugen.
- Verbringen Sie nach Möglichkeit jeden Tag zumindest eine halbe Stunde an der frischen Luft. Natürliches Licht hilft dem Körper den Schlaf-Wach-Rhythmus zu koordinieren.
- Finden Sie ein Abendritual. Regelmäßige Rituale signalisieren dem Körper, dass es Zeit zum Entspannen ist. Beispiele sind ein warmes Bad, Lesen, Entspannungsmusik oder leichte Mobilisationsübungen.
- Hineinsteigern in Schlafprobleme hilft nicht. Besser ist Ablenkung wie beispielsweise die Konzentration auf die Ein- und Ausatmung oder das Erlernen von Entspannungstechniken.
Nach einem Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma kann es normal sein, dass der Schlaf einige Zeit braucht, um wieder einen natürlichen Rhythmus zu finden. Hören Sie gut auf Ihren Körper und geben Sie ihm genügend Zeit zur Regeneration.
Bei länger andauernden Problemen sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Möglichkeiten den Schlaf zu verbessern.
Autorin: Michaela Partel
Quellen:
Narrative review of sleep and stroke, 2020
Sleep Medicine: Stroke and Sleep, 2018
The role of sleep in recovery following ischemic stroke: A review of human and animal data, 2016
Correlation between sleep and cognitive functions after hemispheric ischaemic stroke, 2008
Evolution of sleep and sleep EEG after hemispheric stroke, 2002

Nach einem Schlaganfall oder im Leben mit einer chronischen Erkrankung kann Einsamkeit zu einem Begleiter werden. Dabei ist es egal, ob der oder die Betroffene alleine lebt oder in ein soziales Netz eingebunden ist. Ein Mensch kann sich auch in einem Raum voller Menschen alleine fühlen.
Chronische Erkrankungen oder Beeinträchtigungen können zu sozialer Isolation sowie zu einem Gefühl von Ausgeschlossenheit und Unverständnis führen. Erste Anzeichen von Selbstisolation oder fehlender sozialer Interaktion sollten ernstgenommen und angesprochen werden.

Wie sich Einsamkeit auf die Gesundheit auswirkt
Einsamkeit ist ähnlich schädlich für die Gesundheit wie Rauchen, Übergewicht oder Bewegungsmangel. Zu diesem Schluss kam die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und benannte Einsamkeit als wichtiges Public Health Thema des 21. Jahrhunderts.
Einsamkeit verkürzt das Leben älterer Menschen, beeinträchtigt die geistige und körperliche Gesundheit, mindert die Lebensqualität und hat negative Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System.
Gerade nach einem Schlaganfall oder im Leben mit einer chronischen Krankheit ist es wichtig, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten, um das Wohlbefinden nachhaltig zu fördern.
7 Tipps gegen Einsamkeit nach einem Schlaganfall
1 – Ein neues Hobby suchen
Auch mit einer körperlichen oder geistigen Einschränkung gibt es Freizeitbeschäftigungen, die Spaß machen. Wie wäre es mit Malen, dem Schreiben eines eigenen Blogs oder dem Erlernen eines Instrumentes?
Auch im Sportbereich gibt es vielerorts Angebote für Menschen mit Beeinträchtigung wie zum Beispiel Handbike, Rollstuhltennis oder Klettern. Sport hat viele positive Auswirkungen auf die Gesundheit und trägt dazu bei, neue soziale Kontakte zu knüpfen.
2 – Selbsthilfeangebote nutzen
In den meistens größeren Städten finden sich Selbsthilfegruppen zu verschiedenen Themen. Manche Selbsthilfegruppen haben sich komplett auf das Internet verlegt. Unterstützung, Kontakt zu anderen Betroffenen und Austausch findet online statt. Auch zu Einsamkeit gibt es eigene Gruppen.
3 – Alte Kontakte auffrischen
Wann haben Sie das letzte Mal etwas von Ihrem besten Freund aus Schulzeiten gehört? Schon lange nicht? Warum versuchen Sie nicht sich dort einmal zu melden?
Auch im Leben anderer Personen gibt es Probleme. Gegenseitiger Austausch kann für beide Seiten gewinnbringend sein.
Ist die Hürde des Anrufs zu groß, schauen Sie auf den sozialen Medien nach, ob die Person registriert ist. Hier kann unterschwellig ein erster Kontakt hergestellt werden.
4 – Internet nutzen
Abseits von alten Bekannten findet man im Internet auch leicht neue Kontakte. Es gibt zu jeder Krankheit oder Beeinträchtigung Foren oder Blogs, wo sich Menschen austauschen, gegenseitig unterstützen und Tipps geben. Dr. Google ist hier die erste Anlaufstelle.
5 – Ein Ehrenamt übernehmen
Es gibt viele Institutionen und Vereine, die sich über freiwillige Mitarbeiter freuen. Vielleicht braucht es Unterstützung bei Office-Tätigkeiten, beim Fotografieren von Events oder in der Social Media Arbeit. Fragen Sie aktiv nach, so können sich erste Gespräche entwickeln.
6 – Ein Haustier zulegen
Das Wohlfühlhormon Oxytocin wird nicht nur bei der Berührung durch einen anderen Menschen, sondern zum Beispiel auch beim Kuscheln mit einem Haustier ausgeschüttet. Bei Spaziergängen mit einem Hund ergeben sich ganz beiläufig Gespräche mit anderen Hundebesitzern. In Tierheimen kann man sich auch als Freiwilliger für Spaziergänge mit Hunden melden.
7 – Gönnen Sie sich eine Massage
Sanfte Berührung ist die billigste und einfachste Methode, um unser Wohlbefinden zu stärken und Stress zu reduzieren. Berührung löst die Ausschüttung von Oxytocin, dem sogenannten Kuschelhormon, aus. Hohe Dosen an Oxytocin führen beispielsweise dazu, dass Mütter die Schmerzen nach einer Geburt schnell wieder vergessen. Massagen reduzieren Angstgefühle, auch über die Zeit der Behandlung hinaus.
Fragen Sie Partner oder nahe Angehörige, ob sie schon einmal eine Handmassage gegeben haben. Anfängliche Verwunderung ist ganz normal auf diese Frage. Die meisten Angehörige sind dankbar für konkrete Anweisungen, um Ihnen helfen zu können.
Im Kampf gegen Einsamkeit ist Ehrlichkeit mit sich selbst gefragt. Kann ich selbst etwas gegen die Einsamkeit unternehmen? Oder brauche ich professionelle Unterstützung? Offene Gespräche mit Betreuungspersonal, Familienmitgliedern oder Ärzten können ein erster Schritt in Richtung Besserung sein.
Autorin: Michaela Partel
Quellen:
The growing problem of loneliness (2018)
WHO – Social Isolation and Loneliness
Oxytocin and Stress: Neural Mechanisms, Stress-Related Disorders, and Therapeutic Approaches (2019)
A qualitative study-Patient experience of tactile massage after stroke (2020)
Ein Schlaganfall kennzeichnet oft einen Wendepunkt im Leben. Die bisherige Lebensweise wird hinterfragt. Als ganzheitliche Lebenseinstellung verspricht Yoga Körper, Geist und Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Gibt es wissenschaftliche Belege zur Wirkung von Yoga? Und ist Yoga auch für Schlaganfallpatienten geeignet? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir uns die aktuelle Studien- und Forschungslage rund um das Thema Yoga bei Schlaganfallpatienten angesehen.

Wie kann Yoga nach einem Schlaganfall unterstützen?
Nach einem Schlaganfall können Bewegungs-, Gleichgewichts- und Wahrnehmungsstörungen auftreten. Sprache, Konzentration und Gedächtnis sind ebenfalls häufig betroffen. Die neue Lebenssituation kann zu psychischen Problemen und/oder einer Depression führen.
Yoga Übungen können als ergänzende Therapiemaßnahme, egal ob nach einem Schlaganfall oder bei einem anderen Krankheitsbild, zu verschiedenen gesundheitlichen Benefits führen:
- Stärkung von Muskeln, Knochen, Sehnen und Bändern
- Verbesserung der Beweglichkeit
- Förderung von Achtsamkeit, Konzentration und der Fähigkeit zu Entspannen
- Verbesserung von Gleichgewicht, Propriozeption und posturaler Kontrolle
- Reduktion von Stress, depressiven Verstimmungen und Angstzuständen
- Förderung des Wohlbefindens und von sozialen Faktoren
- Schulung von Gehirn und Gedächtnis
- Schmerzreduktion
Fehler machen für die Neuroplastizität
Nach einem Schlaganfall muss gelernt werden, mit der neuen Lebenssituation umzugehen. Viele, zuvor automatisierte Bewegungsabläufe müssen neu erlernt werden. An dieser Stelle kann Yoga zu einer wertvollen Stütze werden.
Die Matte ist das Versuchslabor: Es werden Bewegungen geübt, die man später im Alltag braucht. Funktioniert Plan A nicht, wird Plan B ausprobiert. Fehler sind erlaubt und gewollt. Wenn Kleinkinder immer gleich aufgeben würden, wenn sie auf dem Allerwertesten landen, würden sie nie gehen lernen. Diese Gelassenheit nimmt Betroffenen die Angst vor Stürzen im Alltag.
Wenn eine Bewegung noch nicht funktioniert, kann am Bewegungsmuster gearbeitet werden. Kann ein Teil der Bewegung ausgeführt werden? Gelingt es die notwendigen Muskeln zu aktivieren? Das sind Teilerfolge.
Insbesondere bei neurologischen Patienten sind häufige Wiederholungen wichtig, um die geschädigten Gehirnareale zu stimulieren. Das Gehirn hat die Fähigkeit sich zu regenerieren. Wenn eine neurologische „Straße“ geschlossen ist, findet das Gehirn bei entsprechenden Reizen Umwege, um trotzdem ans Ziel zu gelangen. Diese Eigenschaft nennt sich Neuroplastizität.
Evidenz zu Yoga bei Schlaganfallpatienten
Die Cochrane Collaboration hat 2017 einen Review zum Thema Yoga bei Schlaganfallpatienten veröffentlicht. Als internationale, unabhängige Organisation gilt Cochrane gewissermaßen als der Goldstandard für Studien. Im Cochrane Review zu Schlaganfall und Yoga konnten drei statistisch relevante Ergebnisse gefunden werden.
Die Teilnahme an einem regelmäßigen Yoga-Programm hat bei Patienten nach einem Schlaganfall
- die Gedächtnisleistung verbessert,
- das Auftreten von Angstgefühlen reduziert,
- und den Bewegungsumfang in einzelnen Körperbereichen vergrößert.
Studienlage zu Yoga bei Schlaganfallpatienten
Insgesamt ist die Studienlage zu Yoga und Schlaganfall noch recht dünn. Es fehlt an großen, hochwertigen Studien, um die Wirksamkeit und Sicherheit von Yoga bei Schlaganfallpatienten eindeutig belegen zu können. Nichtsdestotrotz gibt es viele kleinere Studien, die einen positiven Trend zeigen.
Yoga ist ein komplexes System, das aus den Teilelementen Bewegung, Atmung und Meditation besteht.
- Bewegung stärkt die Muskeln und Knochen, das Herz-Kreislauf-System, Koordination, Ausdauer und Beweglichkeit.
- Bewusste tiefe Atmung führt zu einer verbesserten Körperwahrnehmung, zu geistig-seelischer Entspannung, Stressreduktion und zu einer erhöhten Atemkapazität.
- Meditation verbessert die Aufmerksamkeit, Emotionsregulation und den Umgang mit Stress.
Yoga nach einem Schlaganfall: Was muss ich beachten?
Bei bestehenden körperlichen und/oder geistigen Einschränkungen ist die ärztliche Abklärung der erste Schritt vor Beginn einer Yoga-Praxis.
Egal welche Einschränkung vorliegt, Yoga geht immer. Ja, wirklich immer. Körperliche Yoga Übungen sind nur ein Teil der Yoga Praxis. Daher können selbst stark eingeschränkte Personen praktizieren.
Auch wenn ein Patient im Rollstuhl sitz, kann der Oberkörper mobilisiert werden. Bettlägerige Patienten können mit Visualisierungen arbeiten. Das Gehirn kann nicht unterscheiden, ob eine Bewegung tatsächlich ausgeführt oder nur gedacht wird. Diese Reize fördern die Regeneration von geschädigten Hirnarealen. Gleichzeitig gibt die yogische Philosophie Hoffnung und beeinflusst die mentale Gesundheit positiv.
Wie beginne ich nach einem Schlaganfall mit Yoga?
Eine erfahrene Yoga-Lehrkraft ist besonders wichtig. Idealerweise hat sie bereits mit anderen Patienten gearbeitet und weiß, wie die Übungen so angepasst werden können, dass sie für Betroffene geeignet und hilfreich sind.
Bei Patienten mit Hemiparese oder Hemiplegie besteht das Risiko, dass mögliche Überlastungen oder Verletzungen nicht ausreichend wahrgenommen werden. Daher tragen die Kursleiter:innen eine besondere Verantwortung, die Übungen korrekt anzuleiten und individuell anzupassen. Einige Rehabilitationszentren bieten spezielle Yoga-Kurse für Menschen nach einem Schlaganfall an. Auch Einzelstunden können sinnvoll sein.
Am besten erkundigt man sich beim Rehabilitationszentrum oder bei der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt, ob spezielle Kurse für Patienten angeboten werden. Auch Yoga-Studios in der Umgebung können eine erste Anlaufstelle sein.
Welcher Yoga Stil eignet sich für Schlaganfallpatienten?
Yogatherapie verbindet die östliche Yoga Tradition mit modernen therapeutischen Ansätzen des Westens. Dabei werden Atemübungen, Körperpositionen und Meditation auf die individuellen Bedürfnisse des Klienten angepasst. Yogatherapie ist für Patienten ein guter Beginn.
Hatha ist quasi die Urform des Yoga. Die drei Säulen des Hatha sind Körper, Atem und Meditation. Im Einklang führen die Disziplinen zu einem besseren Bewusstsein über den eigenen Körper. Hatha Yoga ist für Schlaganfallpatienten geeignet.
Iyengar Yoga forciert eine präzise Ausführung der Posen. Durch den Einsatz von Hilfsmittel können die Übungen so modifiziert werden, dass Yoga für jeden bzw. jede möglich wird. Iyengar Yoga verfolgt einen therapeutischen Ansatz und ist für Schlaganfallpatienten geeignet.
Yin Yoga ist ein ruhiger Stil und wird oft als Ergänzung zu aktiveren Disziplinen eingesetzt. Die Positionen werden lange gehalten, um Beweglichkeit zu fördern und den Geist zu entspannen. Der Stil eignet sich gut für Patienten, stressgeplagte oder ältere Menschen.
Forrest Yoga kommt nicht vom Wald, sondern von der Gründerin Ana T. Forrest. Gegründet aus ihrer eigenen Geschichte ist Forrest Yoga die westliche Yoga-Antwort auf Belastungen des modernen Lebens. Der körperliche Fokus schult mit individuellen Einschränkungen und Verletzungen besser umzugehen und diese auszugleichen. Forrest Yoga ist für Schlaganfallpatienten geeignet.
Viasa Yognya ist ein aktiver und dynamischer Stil. Die verschiedenen Körperübungen werden in fließenden Bewegungen aneinandergereiht. Aufgrund der hohen Intensität ist dieser Stil für Schlaganfallpatienten weniger geeignet.
Ashtanga konzentriert sich auf die Abfolge von widerkehrenden Übungsserien. Der Stil ist dynamisch und körperlich fordernd. Für Schlaganfallpatienten ist dieser Stil zu Beginn nicht zu empfehlen.

Yoga als Therapie nach einem Schlaganfall: Ja oder Nein?
Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Einschränkungen fühlen sich oft überfordert. Neben Arztbesuchen und Therapien kann der Wunsch entstehen, selbst etwas für die eigene Gesundheit zu tun.
Yoga ist für jeden zugänglich und bietet zahlreiche gesundheitliche Vorteile. Bevor man mit Yoga beginnt, ist jedoch immer eine ärztliche Abklärung empfehlenswert.
Zu Beginn sollten Patienten von einem erfahrenen Trainer bzw. Trainerin begleitet werden. Achtsamkeit und Ehrlichkeit im Umgang mit den eigenen Grenzen schützen vor Überlastung. Yoga ist niederschwellig für jeden erreichbar und verspricht einen großen gesundheitlichen Nutzen. Patienten können selbst aktiv werden und etwas für ihre Genesung unternehmen. Bevor mit Yoga gestartet wird, muss immer eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Bewegung tut dem Körper gut, bewusste Atmung und Meditation tun dem Geist gut. Sicher ausgeführt kann Yoga das körperliche und seelische Wohlbefinden von Patienten positiv beeinflussen.
Autorin: Michaela Partel
Quellen:
Exploring the Therapeutic Benefits of Pranayama (Yogic Breathing): A Systematic Review (2020)
Depression and Anxiety Disorders: Benefits of Exercise, Yoga, and Meditation (2019)
Systematic Review of Yoga and Balance: Effect on Adults With Neuromuscular Impairment (2019)
Yoga Effects on Brain Health: A Systematic Review of the Current Literature (2019)
Mind-Body Interventions, Psychological Stressors, and Quality of Life in Stroke Survivors (2019)
The neuroscience of mindfulness meditation (2015)
Poststroke Balance Improves With Yoga (2012)
Mental Practice in Chronic Stroke (2007)
World Health Organization (2002) WHO Traditional Medicine Strategy 2002–2005. Geneva: World Health Organization
Technologiegestützte Rehabilitation kann eine wertvolle Ergänzung zu ganzheitlichen Ansätzen wie Yoga sein. Während Yoga Körperwahrnehmung, Gleichgewicht, Atmung und Achtsamkeit unterstützen kann, helfen Geräte von Tyromotion Therapeutinnen und Therapeuten dabei, Menschen nach einem Schlaganfall ein intensives, motivierendes und messbares Training zu ermöglichen. Tyromotion bietet robotik- und sensorbasierte Rehabilitationslösungen für die oberen und unteren Extremitäten, darunter Systeme für Bewegungstraining, Gleichgewicht, Gang, Handfunktion und interaktive Therapie. Unter professioneller Anleitung eingesetzt, können diese Geräte die hohe Anzahl an Wiederholungen unterstützen, die für Neuroplastizität wichtig ist, objektives Feedback liefern und Fortschritte sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für Therapeutinnen und Therapeuten sichtbar machen. So können technologiegestützte Therapie und achtsame Bewegungsformen gemeinsam auf dasselbe Ziel hinarbeiten: mehr Selbstständigkeit, Vertrauen und Lebensqualität nach einem Schlaganfall.
Was ist ein Schlaganfall?
Die Bezeichnung Schlaganfall benennt im eigentlichen Sinn keine Erkrankung. Sie ist ein Überbegriff verschiedener Schädigungen des Gehirns.
Ein Schlaganfall (Apoplex / Insult) tritt plötzlich auf. In ca. 80 % der Fälle kommt es zu einer Durchblutungsstörung infolge einer Gefäßverstopfung (ischämischer Infarkt). In ca. 20 % der Fälle ist eine Hirnblutung (hämorrhagischer Infarkt) die Ursache.
Durch die Minderversorgung der Nervenzellen sterben diese ab. Die Folgeerscheinungen eines Schlaganfalls sind von der Lage und Ausdehnung der Schädigung sowie von der schnellen medizinischen Intervention abhängig.
Schlaganfall – ein Begriff, viele Gesichter
Von einem Moment zum anderen ändert sich das Leben von Schlaganfallpatienten. Was ist ein Schlaganfall? Ein Schlaganfall geht mit vielen verschiedenen Symptomen einher:
Schwäche oder Lähmung (Hemiparese / Hemiplegie) einer Körperseite oder einzelner Körperteile tritt sehr häufig auf und ist meist das Leitsymptom. Betroffene bemerken dies meist als Erstes. Plötzlich kann der Arm nicht mehr angehoben werden oder es kommt zu einem Sturz, da das Bein auslässt.
Die Empfindung einer Körperseite ist häufig herabgesetzt. Häufig tritt auch ein Kribbeln oder unangenehmes Empfinden auf der betroffenen Seite auf.
Sprechen und Schlucken können beeinträchtigt sein. Es kann sogar notwendig sein, dass der Patient – zumindest vorübergehend – mittels einer Nasensonde oder – längerfristig – mittels einer Magensonde ernährt wird.
Gedächtnisleistungen, Merkfähigkeit und Erinnerungsvermögen können gestört sein. Auch eine Veränderung der Persönlichkeit kann auftreten. Häufig kommt es zu depressiven Verstimmungen, da sich der Betroffene erst einmal mit der veränderten Situation arrangieren muss.
Störungen der Handlungs- und Planungsfähigkeit können auftreten. Betroffene verwenden Alltagsgegenstände nicht mehr ihrem Zweck entsprechend. Beispielsweise wird das Unterhemd über dem Hemd angezogen.
Auch die Kontinenz ist vor allem in der ersten Zeit nach dem Schlaganfall häufig ein Problem. Anfangs benötigen die Patienten teilweise einen Dauerharnkatheder, später kann die Blasenfunktion noch beeinträchtigt sein. Dies kann z.B. dazu führen, dass Harn gar nicht oder vermindert zurückgehalten werden kann. Auch der Stuhlgang kann betroffen sein.
Die Körperwahrnehmung kann beeinträchtigt sein. Die betroffene Seite wird nur mehr eingeschränkt wahrgenommen. In schwereren Fällen kann es zu einem vollständigen „negieren“ der entsprechenden Seite kommen (Neglect). Patienten nehmen keine Reize auf der betroffenen Seite mehr wahr. Es erscheint, wie wenn die betroffene Körperseite für den Patienten nicht mehr vorhanden wäre.
FAST – Wie erkenne ich einen Schlaganfall?
FAST kommt aus dem Englischen und steht für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit). Der Begriff ist ein Akronym, welches helfen soll, sich die Leitsymptome eines Schlaganfalls einzuprägen.
Wenn Verdacht auf einen Schlaganfall bei einer Person besteht, führen Sie folgende Tests durch:
Face (Gesicht)
Bitten Sie die Person zu lächeln. Bei einem Schlaganfall ist Lächeln nicht möglich, ein Mundwinkel hängt nach unten.
Arms (Arme)
Bitten Sie die Person beide Arme mit den Handflächen nach oben gestreckt vor dem Körper zu halten. Bei einem Schlaganfall ist dies nicht möglich. Entweder sinkt ein Arm ab oder dreht sich zurück.
Speech (Sprache)
Bitten Sie die Personen einen einfachen Satz nachzusprechen. Dem Betroffenen gelingt dies nicht oder seine Sprache ist verwaschen.
Time (Zeit)
Kann der Betroffene eine der genannten Aufgaben nicht ausführen, ist Gefahr in Verzug. Verständigen Sie umgehend die Rettung.
Weitere typische Anzeichen eines Schlaganfalls sind Kribbel- oder Taubheitsgefühle einer Körperseite, starker Schwindel, sehr starke Kopfschmerzen oder Sehbeeinträchtigungen.
Je schneller der Betroffene medizinisch versorgt wird, desto besser ist die Prognose nach einem Schlaganfall.
Was kann ich als Angehöriger eines Schlaganfallpatienten tun?
Akutphase nach einem Schlaganfall
Im Krankenhaus können private Gegenstände den Aufenthalt erleichtern. Fotos von Familienmitgliedern, Blumen, die Lieblingsmusik, oder anderes, was dem Patienten Freude macht, kann die Situation verbessern. Auch regelmäßige Besuche, Kartenspiele oder gute Gespräche können die Genesung fördern.
Schon in dieser akuten Phase können Sie als Angehöriger unterstützend wirken:
- Sprechen Sie die Person über die von der Lähmung betroffenen Seite an und setzen Sie sich bei Gesprächen auf diese Seite. So wird die betroffene Gehirnhälfte zur neuronalen Neuverknüpfung animiert.
- Sprechen Sie mit dem medizinischen Personal über die Möglichkeit, eine Initialberührung einzusetzen. Das kann zum Beispiel eine kleine Berührung der betroffenen Person auf der rechten Schulter sein, bevor man ein Gespräch beginnt. So weiß der Patient, dass mit ihm gesprochen wird. Vor allem bei Patienten mit vermindertem Bewusstsein und auf der Intensivstation wird die Initialberührung unterstützend eingesetzt.
- Nahen Angehörigen helfen Berührungen an der betroffenen Körperseite. Dabei reichen schon kurze Berührungen an der Hand. Auch Massagen der Hand können die Sensibilität anregen. Diese Reize helfen dem Gehirn sich neu zu verknüpfen.
- Machen Sie Spaziergänge im Freien mit der betroffenen Person, soweit dies möglich ist. Natur, natürliches Licht und frische Luft haben einen positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit.
- Seien Sie da.
Rehabilitation nach einem Schlaganfall
Im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt wird der Patient häufig direkt in eine Rehabilitationseinrichtung verlegt. Dort soll eine größtmögliche Selbstständigkeit sowie nach Möglichkeit eine Rückkehr in das eigene Wohnumfeld erreicht werden.
Angehörige können den Betroffenen auch hier unterstützen. Vielleicht wird guter Zuspruch benötigt, Ablenkung durch einen Spaziergang oder einfach nur Dasein. Ein offenes Ohr für die Betroffenen kann schon viel bewirken. In dieser Phase realisieren die Patienten häufig erst, dass sich die bisherige Lebenssituation schlagartig geändert hat. Auch Phasen der Traurigkeit können auftreten. Halt durch Familie und Freunde ist jetzt besonders wichtig.
Meist kann in Absprache mit der Einrichtung auch an Therapien teilgenommen werden. Dies ist vor allem ratsam, wenn der Patient zu Hause, mit Unterstützung der Familie, versorgt werden soll.
Wie geht es nach der Entlassung aus der Klinik weiter?
Je nach Ausprägung der körperlichen Einschränkungen, der Wohnsituation sowie der Unterstützungsmöglichkeiten kann eine Rückkehr in das eigene Wohnumfeld erreicht werden.
Benötigt der Schlaganfall Patient im Alltag mehr Unterstützung, kann eine Hauskrankenpflege hilfreich sein. Ist den gesamten Tag über vermehrte Unterstützung notwendig, kann eine 24-Stunden-Pflege eine gute Lösung darstellen. Auch die Unterbringung in einer betreuten Wohneinheit stellt eine gute Option dar. Hier ermöglicht die Barrierefreiheit häufig eine größere Selbstständigkeit. In letzter Konsequenz ist eine Unterbringung in einem Pflegeheim möglich.
Eine Einrichtung für betreutes Wohnen kann aufgrund besserer Zugänglichkeit ein höheres Maß an Selbstständigkeit ermöglichen. Personen, die weiterhin pflegerische Versorgung und Rehabilitation benötigen, können in eine Fachpflegeeinrichtung (SNF) entlassen werden. Patienten mit den schwersten Schlaganfällen können in ein Pflegeheim verlegt werden.
Um die erlangte Selbstständigkeit und weitere Fortschritte zu Hause zu fördern oder auch der Entstehung von Sekundärschädigungen vorzubeugen, sollte eine ambulante Therapie weitergeführt werden. Abhängig von den Defiziten kann Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und psychologische Betreuung sinnvoll sein. Wenn die Mobilität des Patienten keine Therapie in einer Praxis ermöglicht, kann um Hausbesuche angesucht werden.
Auch nach einem Schlaganfall kann durch kontinuierliche Therapie, adäquate Hilfsmittel und Adaptation des Wohnumfeldes eine gute Lebensqualität erreicht werden. Die Unterstützung von Familie und Freunden gibt dem Patienten hierbei großen Halt.
Nichtsdestotrotz sollten auch Angehörige selbst gut auf ihre Gesundheit achten. Nur wenn es einem selbst gut geht, kann man auch anderen zur Seite stehen.
Technologiegestützte Rehabilitation nach einem Schlaganfall
Die Genesung nach einem Schlaganfall setzt sich häufig noch lange nach der Entlassung aus dem Krankenhaus oder der Rehabilitation fort. Neben Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und familiärer Unterstützung kann eine technologiegestützte Rehabilitation den Patientinnen und Patienten helfen, gezielte Bewegungen mit höherer Intensität, Wiederholung und Motivation zu üben.
Unsere robotik- und sensorbasierten Therapielösungen unterstützen eine evidenzbasierte Rehabilitation der oberen und unteren Extremitäten. Geräte wie Amadeo, Diego, Pablo, Myro, Tymo, Lexo und Omego Plus ermöglichen es Therapeutinnen und Therapeuten, die Therapie an die individuellen Fähigkeiten, Ziele und das jeweilige Stadium der Genesung jedes Patienten anzupassen.
Durch aufgabenorientiertes Training, motivierende Therapiespiele, Biofeedback und objektive Assessments kann eine technologiegestützte Rehabilitation Patientinnen und Patienten dabei unterstützen, Funktionen wiederzuerlangen, ihre Selbstständigkeit im Alltag zu verbessern und während des gesamten Rehabilitationsprozesses motiviert zu bleiben.
Autorin: Saskia Wibner
Viele Untersuchungen weisen darauf hin, dass ein Krafttraining auch nach einem länger zurückliegenden Schlaganfall hilft. Was mit Kraftübungen verbessert werden kann und wie ein guter Trainingsplan nach einem Schlaganfall für zu Hause aussieht, verraten wir in diesem Artikel.
Was geschieht mit der Muskulatur nach einem Schlaganfall?
Nach einem Schlaganfall verändert sich die Muskulatur auf der betroffenen Seite. Es kommt zu Veränderungen der Länge und der Beweglichkeit von Muskelfasern. Anfangs ist die betroffene Seite meist schwach und wirkt schlapp und leblos, mit der Zeit wird sie fest und ungeschickt.
In beiden Fällen leiden Patienten unter einer eingeschränkten Bewegungsfähigkeit im Alltag. Das Aufstehen aus einem Sessel ist beschwerlich oder das Heben und Tragen von Gegenständen unsicher.
Therapeuten erkennen die Probleme der Muskulatur. Sie können feststellen, ob eine Bewegung aufgrund der Schwäche oder der Spastizität nicht ausgeführt werden kann.
Ein Krafttraining wird sowohl bei schwachen als auch bei spastischen Muskeln erfolgreich eingesetzt. Ein guter Trainingsplan und viel Motivation können zu einer Genesung der erkrankten Muskulatur beitragen.
Was kann nach einem Schlaganfall durch Krafttraining verbessert werden?
Aus therapeutischer Erfahrung und aus Studien geht hervor, dass die Kraft der stärker betroffenen Seite nach einem Schlaganfall gezielt trainiert werden kann.
Durch Gangtraining wird die Schrittlänge und Spurbreite größer. Die Sicherheit beim Gehen nimmt zu. An der oberen Extremität zeigt sich häufig eine Verbesserung des Bewegungsausmaßes. Der Arm kann höher gehoben werden. Dadurch können Betroffene einen Wäschekorb mit beiden Händen auf den Tisch stellen. Alltagstätigkeiten ohne fremde Hilfe durchführen zu können, erhöht die Lebensqualität von Betroffenen enorm.
Krafttraining nach einem Schlaganfall wirkt sich nicht nur auf die Selbstständigkeit im Alltag positiv aus. Die Freude an Bewegung nimmt zu, die psychische Gesundheit und die kognitiven Fähigkeiten verbessern sich. Betroffene verspüren wieder mehr Lebensfreude und Motivation.
Progressives Widerstandstraining nach Schlaganfall
Das progressive Widerstandstraining ist eine Form des Krafttrainings nach einem Schlaganfall. Die Intensität der ausgewählten Übungen wird kontinuierlich gesteigert. So werden die Muskeln langsam an die zunehmende Belastung gewöhnt.
Versuchen Sie diese Art des Trainings mit der Aufstehübung:
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- Für diese Übung benötigen Sie einen Stuhl. Nehmen Sie einen aufrechten Sitz ein.
- Platzieren Sie Ihre Füße auf dem Boden hinter Ihren Knien. Die Zehen sind geradeaus nach vorne ausgerichtet.
- Pressen Sie mit Ihren Füßen in den Boden. Achten Sie auf einen geraden Rücken.
- Stehen Sie auf und setzen Sie sich langsam wieder hin. Durch das bewusste langsame Absetzen wird die exzentrische Aktivität der Muskeln trainiert.
- Wiederholen Sie diese Übung 15 mal. Sollte das Anfangs zu viel sein, machen Sie nur so viele Wiederholungen wie Sie, ohne außer Atem zu kommen, bewältigen können.
- Je nachdem wie gut die koordinativen Fähigkeiten sind, kann die Übung mit oder ohne Anhalten durchgeführt werden. Achten Sie in der Durchführung auf die Symmetrie und darauf, sich so wenig als möglich abzustützen.
- Nach 15 Wiederholungen machen Sie eine Minute Pause.
- Nach der Pause folgt ein zweiter sowie ein dritter Satz. Auch der dritte Satz soll genauso konzentriert und im gleichen Tempo ausgeführt werden, wie der erste.
Die Übung sollte zwei- bis dreimal in der Woche durchgeführt werden. Dazwischen wird ein Tag pausiert. Die Muskulatur braucht Erholung, um sich zu kräftigen und zu wachsen.
Nach zwei bis drei Wochen kann die Übungsintensität gesteigert werden. Dazu wählt man eine niedrigere Sitzfläche oder nutzt zusätzliches Gewicht (beispielsweise ein gefüllter Rucksack).
Was ist ein Zirkeltraining?
Mit einem Zirkeltraining wird die Kraftausdauer trainiert. Es werden verschiedene Übungen kombiniert, um unterschiedliche Muskelgruppen anzusprechen. Das bringt Abwechslung in das Training und erhöht die Motivation. Jede Übung wird zwischen 15 bis 20 Mal wiederholt. Zwischen den Übungen gibt es kurze Pausen.
Nachfolgend finden Sie einige Übungsvorschläge für ein Zirkeltraining für die unteren Extremitäten. Die Basis für die Übungen ist immer ein aufrechter Stand.
- Abwechselnd wird einmal das linke, einmal das rechte Bein zur Seite gestellt.
- Abwechselnd einmal mit dem linken Bein einen Schritt nach vorne machen und wieder zurückstellen bzw. mit dem rechten Bein einen Schritt nach vorne und wieder zurück. Die Schritte sollten dabei ungefähr gleich groß sein.
- Abwechselnd werden die Zehen nach außen bzw. nach innen rotiert. Das Gewicht wird dabei leicht auf die Fersen verlagert.
- In den Zehenspitzenstand hochdrücken und wieder absenken. Die Übung kann mit oder ohne Anhalten durchgeführt werden.
- Wenn es Ihre Kraft und Koordination zulässt, versuchen Sie kleine, beidbeinige Sprünge zu machen. Achten Sie dabei darauf, mit beiden Beinen gleichzeitig zu landen.
Besprechen Sie die Übungen mit Ihrer Physio- oder Ergotherapeutin, um diese an Ihre individuellen Möglichkeiten anzupassen.
Ballistisches Training
Wenn im Alltag Schnelligkeit und Geschick gefragt sind, braucht es meist eine rasche Rekrutierungsbereitschaft der Muskulatur. So auch beim Abdruck des Vorfußes während des Gehens oder Laufens.
Eine Forschergruppe schlägt dafür ein sogenanntes ballistisches Training vor, bei dem Gewichte rasch in den Raum gestoßen oder geworfen werden. Für das Bein könnte es z.B. das Schießen von Bällen sein. Für den Arm das Werfen von Gewichten oder Gegenständen.
Die Übungen können auch in einem Wasserbecken oder mithilfe von speziellen Trainingsgeräten durchgeführt werden. Diese Trainingsgeräte sind in den meisten Rehabilitationseinrichtungen vorhanden. Aber auch ambulant gibt es geräteunterstützte Trainingstherapie, speziell für Schlaganfallpatienten.
Stark werden durch Gedanken
Im Spitzensport ist mentales Training schon lange nicht mehr wegzudenken. Rennfahrer prägen sich die Streckenführer genaustens ein und Kletterer planen bei schwierigen Routen rigide jeden Griff voraus. Sportler stellen sich vor, wie es sich anfühlen wird, das Rennen zu gewinnen oder eine langersehnte Kletterroute zu durchsteigen. Indische Forscher konnten zeigen, dass auch Schlaganfallpatienten von mentalem Training profitieren. Wurde zusätzlich zum Krafttraining auch mit Visualisierungen gearbeitet, nahm die Gehgeschwindigkeit bei Patienten stärker zu als ohne diese Maßnahmen.
Patienten, die Schwierigkeiten beim Gehen haben, stellen sich in Gedanken vor, wie sie das betroffene Bein mühelos Strecken und Beugen. Sie führen sich vor Augen, wie die Bewegung abläuft, wie sie ein Bein vor das andere setzen. Stellen Sie sich vor, wie Sie sich dabei fühlen werden. Welche Gefühle treten dabei auf? Auf was freuen Sie sich besonders? Was wird Ihre Familie, was werden Ihre Freunde dazu sagen?
Eine Hilfe in der Arbeit mit Visualisierungen kann sein, sich den Bewegungsablauf genaustens durch einen Therapeuten oder eine Therapeutin verbalisieren zu lassen. Diese Ansage kann auch aufgenommen und zu Hause als begleitende Unterstützung während des Trainings abgespielt werden. Das Gehirn kann nicht unterscheiden, ob die Bewegungen tatsächlich ausgeführt oder nur vorgestellt wird. Diese Tatsache kann man sich gezielt für die Rehabilitation zunutze machen.
Setzen Sie das Krafttraining in einem professionellen Rehabilitationsumfeld fort.
Für Patientinnen und Patienten, die bereit sind, über häusliche Übungen hinauszugehen, kann ein strukturiertes Krafttraining in einer Rehabilitationsklinik oder einem Therapiezentrum zusätzliche Möglichkeiten zur Genesung bieten.
Autor: Hannes Aftenberger
Quellen: